ROT | Vom Verschwinden und Widerstehen

ROT | Vom Verschwinden und Widerstehen berichtet von Frauen, von ihrer Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit und von ihren Versuchen, Unterdrückung zu widerstehen. Ich sammle die Geschichten von Frauen aus aller Welt, verarbeite sie fotografisch und mache so die emotionalen Unschärfen sichtbar, die durch Isolation, Bedrängnis oder Rückzug aber auch durch die Dynamik des Widerstandes entstehen. Die Geschichten sind unterschiedlich und vielfältig wie die Frauen selbst. Sie erzählen von den Ursachen des Verschwindens oder Rückzugs. Sie berichten aber auch von der Kraft, die Frauen mobilisieren, um sich aufzulehnen und sich aus unüberwindbar scheinenden Gegebenheiten zu befreien. 

 

In  Fotos zu diesem Projekt spiele ich mit Schärfen und Unschärfen, etwa so wie man sie mit extrem geschärften Sinnen oder mit Aufgeregtheit und Panik empfindet. Die Farbe ROT ist ambivalent und symbolisiert gleichermaßen Schmerz, Blut, Gewalt und Tod als auch Kraft, Stärke, Mut und Widerstand. Sie wird versinnbildlicht durch ein rotes Tuch. Nicht immer sind die Frauen selbst in den Fotos zu sehen. Sie entscheiden, ob und wie sie gezeigt werden möchten. Je nach ihrer Vergangenheit und ihren beschrittenen Wegen, ist es einigen von ihnen ein großes Anliegen, über das zu sprechen, was sie erlebt und überwunden haben und das auch visuell zu dokumentieren. Für andere wiederum wäre es geradezu gefährlich, erkannt zu werden. Die wollen fotografisch ihre Botschaft nur indirekt transportieren. Manche Frauen konnte ich nur über Zoom kontaktieren, da sie weit weg in anderen Ländern leben, so dass Fotos mit ihnen ohnehin nicht möglich waren. Obwohl alle Frauen mit eigenen Wünschen und Gedanken an der Entstehung der Fotomotive mitgewirkt haben, schwingt also oft nur die Versinnbildlichung ihrer Intension mit. Und ihre Namen bleiben ein Geheimnis zwischen ihnen und mir.

 

 

Das Projekt wurde gefördert durch ein Hamburger Zukunftsstipendium der Behörde für Kultur und Medien in Zusammenarbeit mit der Hamburgischen Kulturstiftung und dem Berufsverband bildender Künstler*innen Hamburg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Geschichten der Frauen sammele ich in einem überdimensional großen Buch (50 x 100 cm), dessen zunehmendes Gewicht die Gewichtigkeit der Geschichten dokumentieren soll. Das Projekt wird fortlaufend weiter geführt und somit wird auch das Gewicht des Buches ständig zunehmen … so lange, bis es nicht mehr tragbar ist.

Am Ende des Stipendiums wurden meine Arbeiten im April 2022 in der TONALI Galerie in Hamburg gezeigt.